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DiscorsoPubblicato l'11 settembre 2026

Tag der Wirtschaft von Economiesuisse

Luzern, 11.09.2026 — Rede von Bundespräsident Guy Parmelin, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Es gilt das gesprochene Wort.

Geschätzte Unternehmerinnen und Unternehmer
Sehr geehrter Herr Präsident Christoph Mäder,

Cher Monsieur le Président désigné Wildhaber

Mesdames et Messieurs en vos titres, fonctions et innombrables qualités

Es freut mich sehr, heute bei Ihnen zu sein. An diesem wichtigen Treffpunkt der Schweizer Wirtschaft. Letztes Jahr musste ich wegen den USA kurzfristig absagen. Ich bin dankbar, kann ich heute dabei sein.
Es ist ja nicht nur einfach der Tag der Wirtschaft. Es ist auch eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, was unseren Wirtschaftsstandort stark macht – und was wir tun müssen, damit er stark bleibt.

Und dieses Jahr ist der Tag noch aus einem anderen Grund besonders:

Christoph Mäder nimmt Abschied als Präsident von economiesuisse.

Herr Mäder,
ich werde später noch ein paar Worte zu Ihnen sagen. Sie sind also noch nicht entlassen.

Meine Damen und Herren

Wir leben wirtschaftlich in anspruchsvollen Zeiten.

Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und Unsicherheiten in wichtigen Absatzmärkten beschäftigen Unternehmen weltweit. Dazu kommen der demografische Wandel und technologische Entwicklungen, die teilweise in einem Tempo voranschreiten, bei dem die Politik Mühe hat, Schritt zu halten.

Wobei ich weiss: Einige von Ihnen würden sagen, dass das bei der Politik nicht erst seit der künstlichen Intelligenz der Fall ist.

Die Schweiz zeigt sich bemerkenswert widerstandsfähig.

Die Arbeitslosigkeit ist relativ tief. Die Inflation ist unter Kontrolle. Unsere Staatsfinanzen sind solide. Das BIP verzeichnete im zweiten Quartal ein so hohes Wachstum wie seit meinem letzten Präsidialjahr im 3. Quartal 2021 nicht mehr.

Vielleicht sollte man doch über ein anderes Präsidialsystem in der Schweiz nachdenken. 😉

Spass beiseite. Das sich die Schweiz so widerstandsfähig zeigt, ist kein Zufall.
Es ist das Ergebnis eines Wirtschaftsmodells, das sich über Jahrzehnte bewährt hat.

Ein Modell, das auf Offenheit, Wettbewerb, Eigenverantwortung und guten staatlichen Rahmenbedingungen beruht.

Und vor allem auf erfolgreichen Unternehmen.

Ob KMU oder international tätiger Konzern, ob Start-ups oder Firmen, die seit Generationen bestehen:

Sie alle haben etwas gemeinsam:

Sie müssen sich jeden Tag am Markt behaupten.

Der Staat kann gute Voraussetzungen schaffen. Er kann Rechtssicherheit gewährleisten. Er kann in Bildung und Forschung investieren. Er kann Märkte öffnen.

Aber Innovation entsteht nicht im Bundeshaus.

Arbeitsplätze entstehen nicht durch Bundesratsbeschlüsse.

Und Wohlstand lässt sich nicht verordnen.

Er muss erarbeitet werden.

Mesdames, Messieurs,

La Suisse est petite.

Notre marché intérieur est limité. Nous n'avons pas de matières premières importantes. Et nous avons des coûts élevés.

Notre prospérité dépend donc de notre capacité à être meilleurs, plus innovants et plus ouverts que les autres.

Notre force repose sur la qualité, la recherche, la formation dual et la proximité des ecosystems.

Mais elle repose aussi sur notre ouverture au monde.

Pour une économie exportatrice comme la nôtre, l'accès aux marchés internationaux est essentiel.

C'est pourquoi le Conseil fédéral travaille constamment à développer notre réseau d'accords de libre-échange.

Ces dernières années, nous avons réalisé des progrès importants.

L'accord de libre-échange avec l'Inde est entré en vigueur en 2025.

De nouveaux accords ont été signés avec la Thaïlande, la Malaisie, le Kosovo et les États du Mercosur.

En juillet, les négociations avec le Vietnam ainsi qu’avecle Royaume-Uni ont pu être menées à bien.

Et il y a trois semaines seulement, nous avons achevé les négociations relatives à l’optimisation de notre accord avec la Chine.

Pour nos entreprises, ces accords signifient concrètement :

Moins de droits de douane, un meilleur accès aux marchés, davantage de sécurité juridique et de meilleures conditions de concurrence.

Dans le monde actuel, je suis convaincu d'une chose :

La Suisse ne doit pas se replier sur elle-même.

Elle doit rester ouverte.

Das gilt ganz besonders für unsere wichtigsten Wirtschaftspartner.

Mit dem Paket Schweiz–EU will der Bundesrat die Beziehungen zu unserem wichtigsten Handelspartner stabilisieren und weiterentwickeln.

Denn gerade in einer Welt, in der wieder mehr Mauern gebaut werden, sollte die Schweiz ein Interesse daran haben, Brücken zu erhalten und neue zu bauen.

Das gilt auch für die USA, unsere zweitwichtigste Handelspartnerin.

Die Wirtschaftsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten bleiben angesichts der gegenwärtigen Zollpolitik anspruchsvoll.

Die jüngsten Entscheide der USA zu den Zusatzzöllen zeigen jedoch, dass die mit der Schweiz im vergangenen Jahr geschlossene Vereinbarung eingehalten wird.

Der Bundesrat setzt sich weiterhin für stabile und berechenbare Beziehungen ein.

Das ist nicht immer einfach.

Ich habe die Beziehung zwischen Bern und Washington kürzlich mit einem pirouettenreichen Walzer verglichen:

Einen Schritt vorwärts, einen zur Seite – und gelegentlich dreht man sich im Kreis.

Sehr geehrte Wirtschaftsvertreter

Neben dem Marktzugang beschäftigt Sie wahrscheinlich noch ein zweites Thema:

die Regulierung.

Ich weiss:

Wenn ein Bundesrat in einen Saal voller Unternehmerinnen und Unternehmer tritt und weniger Bürokratie verspricht, verdrehen wohl einige die Augen.

Glauben Sie mir – es ist bei mir angekommen. Und ich sehe die Herausforderungen, die auf uns zukommen. Die Schweiz ist daran, durch neue Regulierungen internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Aber Sie wissen es selbst, der Kampf gegen diese Windmühlen ist nicht einfach.

Doch es gibt auch positive Entwicklungen:

Der Bundesrat hat im vergangenen November ein Paket mit 60 Entlastungsmassnahmen beschlossen.

Mit dem Unternehmens-entlastungsgesetz überprüfen wir jedes Jahr gezielt Bereiche, in denen regulatorische Kosten gesenkt werden können.

Gleichzeitig treiben wir die Digitalisierung der Behördenleistungen voran.

Über 180'000 Unternehmen nutzen inzwischen EasyGov.

Das ist erfreulich, aber ausbaufähig.

Und wenn ich Ihnen heute nur eine staatliche Plattform ans Herz legen darf, dann EasyGov.

Meine Damen und Herren

Eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik braucht einen starken Dialog zwischen Wirtschaft und Politik.

Wir müssen nicht immer gleicher Meinung sein.

Im Gegenteil.

Eine lebendige Demokratie lebt davon, dass Interessen offen vertreten werden.

Aber sie lebt auch davon, dass wir einander zuhören, Kompromisse suchen und am Ende Verantwortung übernehmen. Denn eines ist klar:

Die kommenden Jahre werden nicht einfacher.

Der internationale Wettbewerb wird härter.

Technologien und künstliche Intelligenz verändern ganze Branchen.

Und geopolitische Machtpolitik wird nicht so rasch abnehmen.

Auf all das gibt es keine einfachen Antworten.

Denn unser Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit.

Er muss jeden Tag neu erarbeitet werden.

Von Ihnen in den Unternehmen.

Von den Mitarbeitenden.

Von den Stimmbürgern.

Und auch von uns in der Politik.

Es ist nicht die Aufgabe des Staates, den Unternehmen den Weg vorzuschreiben.

Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass der von Ihnen gewählte Weg offen bleibt.

Dafür werde ich mich weiterhin einsetzen.

Denn ich bin überzeugt:

Wenn Wirtschaft und Politik ihre jeweilige Verantwortung wahrnehmen, wird die Schweiz auch in Zukunft zu den erfolgreichsten und innovativsten Wirtschaftsstandorten der Welt gehören.

Damit komme ich wie anfangs angekündigt zu Christoph Mäder.

Herr Mäder,

Sie haben economiesuisse seit 2020 präsidiert.

Und diese Jahre waren nicht gerade wirtschaftspolitische Wellnessjahre.

Pandemie.

Krieg in Europa.

Energiekrise.

Inflation.

Geopolitische Spannungen.

Handelskonflikte.

Und zwischendurch gab es auch noch die eine oder andere eidgenössische Abstimmung.

Sie haben economiesuisse in diesen Jahren mit viel Passion und grosser Konsequenz geführt.

Sie haben die Interessen der Wirtschaft klar und vehement vertreten.

Aber Sie haben dabei nie vergessen, dass Wirtschaftspolitik in unserem Land letztlich Mehrheiten braucht.

Im Parlament.

In den Kantonen.

Und vor allem bei den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern.

Das ist eine Qualität, die ich sehr geschätzt habe.

Sie waren hartnäckig.

Sehr hartnäckig sogar.

Und trotzdem: Wer mit Ihnen verhandelt hat, weiss:

Ein «Nein» kann auch als Einladung für eine weitere Gesprächsrunde verstanden werden.

Das ist für einen Präsidenten von economiesuisse vermutlich keine schlechte Eigenschaft.

Sie haben sich mit grossem Engagement für einen wettbewerbsfähigen, offenen und liberalen Wirtschaftsstandort Schweiz eingesetzt.

Dafür danke ich Ihnen persönlich – und im Namen des Bundesrates – sehr herzlich.

Und ich wünsche Ihnen für die Zeit nach economiesuisse etwas, das Präsidenten von Wirtschaftsverbänden nur selten haben:

weniger Sitzungen – mehr Ruhe.

Wobei ich nicht sicher bin, ob Sie damit dann wirklich umgehen können. 😉

Gerne erinnere ich mich an unsere gemeinsamen Wirtschaftsmissionen auf allen Kontinenten dieser Welt. Da haben wir entscheidende Momente zusammen erlebt. Sei es in Indien, bei Wirtschaftsminister Goyal, der die Wirtschaft zuerst nicht empfangen wollte. Oder an die Reise in Südafrika, wo wir erleben konnten, was es heisst, wenn es nur zu gewissen Zeiten am Tag Strom gibt.

Eine Szene bleibt für mich aber besonders unvergesslich. Vor etwas mehr als einem Jahr in Buenos Aires als wir kurz nach der Ankunft auf einem Schiff bei kalten Temperaturen ins Schwitzen kamen und im letzten Moment eine Einigung mit den Mercosurstaaten erzielten. Auch hier Hand in Hand – Wirtschaft und Politik – als Team Switzerland.

Für Ihren unermüdlichen Einsatz in unserem Team zum Wohle der Schweiz danke ich Ihnen.

Und auch Ihnen allen danke ich für Ihren täglichen Einsatz für unsere Wirtschaft und für unser Land.

Gerne stehe ich nun Herrn Gredig direkt für einzelne Fragen zur Verfügung.